Zu Gast bei Sur les Planches in Avignon
Das Lokal liegt in der Rue Carnot, ein bisschen abseits des großen Touristenstroms. Von außen eher unscheinbar, innen dann diese angenehme Mischung aus Weinbar und Feinkostladen. Überall Flaschen, eine handgeschriebene Kreidetafel, wenige Tische. Man setzt sich und weiß sofort: Das hier wird kein schnelles Abendessen.
Der Inhaber begrüßt einen so, als wäre man ein alter Bekannter. Nicht aufgesetzt herzlich – einfach echtes Interesse daran, dass man einen schönen Abend hat. Noch bevor wir uns recht umgesehen hatten, stand seine Sommelière am Tisch und fragte, was wir mögen. Nicht mit einer langen Weinliste, sondern ganz im Gespräch. Wir mochten das.
Die Karte ist überschaubar und auf Qualität ausgelegt – Sardinen, Rillettes, Planches mit Käse und Charcuterie, ein paar warme Gerichte. Meine Frau hat sich für die Suppe des Tages entschieden und einen Salat mit grünem Spargel, der frisch und leicht war – genau das, was man sich nach einem langen Tag wünscht.
Ich habe das Thunfischtatar genommen – mit Ingwer-Vinaigrette, sehr frisch, sehr gut. Aber das Highlight des Abends waren für mich eindeutig die Jahrgangssardinen.
Auf der Karte stehen Sardinen mit Jahrgang, wie bei einem Wein. 2019, 2024 – je älter, desto weicher und intensiver sollen sie sein. Das klingt erst einmal merkwürdig. Ich hatte keine wirkliche Vorstellung davon, was mich erwartet.
Dann kam die Dose. Ungeöffnet. Der Inhaber öffnet sie am Tisch, legt die Sardinen auf ein Brett, dazu etwas Brot. Das war's. Und ehrlich gesagt war das genau richtig so. Die Sardinen von 2019 – von La Perle des Dieux aus der Vendée – haben eine Textur und einen Geschmack, die man von Sardinen aus dem Supermarkt einfach nicht kennt. Zart, fast cremig, intensiv ohne unangenehm zu sein. Ich verstehe jetzt, warum man die altert.
Zugegeben: Man muss sich darauf einlassen. Sardinen aus der Dose, direkt am Tisch geöffnet – das ist kein schickes Anrichten. Aber genau darin liegt der Charme dieses Ladens. Keine Show, nur gutes Produkt.
Die Sommelière hat uns durch den Abend begleitet – immer dann, wenn wir ein neues Glas wollten, war sie mit einem Vorschlag da. Sie kennt die Produzenten persönlich, merkt man. Kein Auf-dem-Etikett-Ablesen, sondern echtes Erzählen: woher der Wein kommt, wer dahintersteckt, warum er zu dem passt, was gerade auf dem Brett liegt. Das hat den Abend nochmal aufgewertet.
Wir haben uns durch drei verschiedene Gläser getrunken – jedes Mal mit einer kurzen Geschichte dazu, woher der Wein kommt und warum er gerade jetzt passt. Alles im Glas, alles gut ausgewählt, alles bezahlbar.
Sur les Planches ist kein Restaurant im klassischen Sinne, und das sollte man wissen, bevor man hingeht. Man bekommt kein Drei-Gänge-Menü und keine große Küche. Was man bekommt: sehr gute Produkte, einen ehrlichen Umgang damit und zwei Menschen, die wirklich Lust haben, ihren Gästen etwas Schönes zu zeigen. Das macht den Unterschied.
Auf TripAdvisor wird das Lokal gut bewertet – und das deckt sich mit unserem Eindruck. Wer in Avignon ist, sollte sich einen Abend hier einplanen. Und vielleicht die Sardinen bestellen, auch wenn die Idee erst komisch klingt.
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Danke, dass sie meinen Artikel bis zum Ende gelesen haben!
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